25/I/2026 Für feministische Gesundheitspolitik

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Status:
Nicht abgestimmt

Die SPD Brandenburg steht für eine Gesundheitspolitik, die alle Menschen in den Blick nimmt. Noch immer orientieren sich viele medizinische Standards vor allem am männlichen Körper. Das führt dazu, dass Beschwerden von Frauen, inter*, nicht-binären, trans* und agender Personen (FINTA*) sowie von queeren Menschen zu spät erkannt oder nicht ernst genug genommen werden.

Wir wollen, dass Gesundheitsversorgung in Brandenburg gerecht, respektvoll und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist. Niemand darf aufgrund des Geschlechts oder der geschlechtlichen Identität benachteiligt werden.

Deshalb setzt sich die SPD Brandenburg für eine (queer)feministische Gesundheitspolitik ein. Sie soll bestehende Ungleichheiten abbauen und sicherstellen, dass alle Menschen die medizinische Versorgung erhalten, die sie brauchen – in der Stadt wie auf dem Land.

Diese Ungleichheiten gilt es systematisch abzubauen:

Auf Landesebene werden die zuständigen SPD-geführten Häuser sowie die Fraktion aufgefordert, sich dafür einzusetzen, das:

  1. Curricula-Reform in Ausbildung und Studium
    Die zuständigen Ministerien im Land Brandenburg eine verbindliche Reform der Curricula in medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Studiengängen sowie Ausbildungsberufen vorantreiben.
    Dabei sind aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in Diagnostik, Symptomatik und Therapie systematisch zu integrieren. Dies umfasst insbesondere Unterschiede zwischen Cis-Männern und FINTA*-Personen.
  2. Schutz und Gleichbehandlung queerer Menschen im Gesundheitswesen
    Konkrete Maßnahmen zum Schutz queerer Menschen im Gesundheitswesen entwickelt und umgesetzt werden. Dazu gehören diskriminierungssensible Leitlinien, verpflichtende Fortbildungen für medizinisches Personal sowie die Schaffung notwendiger struktureller Vorkehrungen (z. B. geschlechtersensible Anamnese, inklusive Formulare, geschützte Räume).
  3. Mobile Beratungsangebote im ländlichen Raum
    Mobile, niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote für FINTA*-Personen im ländlichen Raum ausgebaut und dauerhaft finanziert werden, um Versorgungslücken insbesondere außerhalb urbaner Zentren zu schließen.
  4. Geschlechtersensible Erste-Hilfe-Kurse gefördert werden
    Initiativen zur Entwicklung und Durchführung geschlechtersensibler Erste-Hilfe-Kurse unterstützt und finanziell gefördert werden, um stereotype Annahmen über Symptome (z. B. bei Herzinfarkten) abzubauen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Auf Bundesebene wird die SPD Brandenburg aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass:

  1. Forschungsförderung in geschlechtsspezifischer Medizin ausgebaut wird
    Die Forschungsförderung im Bereich der geschlechtsspezifischen Medizin deutlich erhöht wird, insbesondere bei bislang untererforschten Erkrankungen wie Endometriose.
  2. Arzneimittelforschung diverser gestaltet wird
    Klinische Studien zur Erforschung und Zulassung von Medikamenten verpflichtend geschlechtergerecht ausgestaltet werden. Medikamente dürfen nicht weiterhin überwiegend an Cis-Männern getestet werden; vielmehr müssen FINTA*-Personen systematisch einbezogen werden, um Nebenwirkungen, Dosierungen und Wechselwirkungen realitätsgerecht zu erfassen.
  3. Selbstbestimmungsrechte gestärkt werden
    Das Selbstbestimmungsrecht weiterentwickelt und rechtlich abgesichert wird, insbesondere im Hinblick auf geschlechtliche Identität, körperliche Selbstbestimmung und diskriminierungsfreien Zugang zu Gesundheitsleistungen.
Begründung:

Gesundheit ist ein Menschenrecht und zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Doch unser Gesundheitswesen ist historisch nicht geschlechtsneutral entstanden, sondern orientierte sich lange am männlichen Körper als medizinischer Norm. Die Folgen dieser strukturellen Schieflage zeigen sich bis heute in einem erheblichen „Gender Health Gap“.

Symptome von Herzinfarkten bei Frauen werden später erkannt, chronische Schmerzerkrankungen wie Endometriose bleiben oft jahrelang undiagnostiziert, Medikamente werden überwiegend an männlichen Probanden getestet, und geschlechterspezifische Unterschiede in Wirkung und Nebenwirkung werden zu selten systematisch berücksichtigt. Gleichzeitig sind Care-Arbeit, Reproduktionsarbeit und psychosoziale Belastungen ungleich verteilt und wirken sich unmittelbar auf Gesundheitsverläufe aus.

Eine sozialdemokratische Gesundheitspolitik muss diese strukturellen Ungleichheiten benennen und überwinden. Gleichstellung bedeutet nicht, Unterschiede zu ignorieren, sondern sie wissenschaftlich fundiert zu berücksichtigen. Eine moderne, solidarische Gesundheitsversorgung muss die Lebensrealitäten von Frauen, inter-, nicht-binären, trans- und agender Personen von Anfang an mitdenken – in Forschung, Lehre, Versorgung und Prävention.

Feministische Gesundheitspolitik ist dabei keine Nischenpolitik, sondern Ausdruck unseres sozialdemokratischen Grundverständnisses von Gerechtigkeit: Wer gleiche Chancen auf ein gesundes Leben will, muss strukturelle Benachteiligungen abbauen. Dazu gehören geschlechtersensible Datenerhebung, verbindliche Lehrinhalte in medizinischen Ausbildungen, eine bedarfsgerechte Versorgung sowie die konsequente Berücksichtigung intersektionaler Perspektiven.

Gerade in einem Flächenland wie Brandenburg zeigen sich Versorgungsungleichheiten besonders deutlich. Eine gerechte Gesundheitsversorgung darf jedoch nicht vom Wohnort, vom Geschlecht oder von der sozialen Lage abhängen.

Die SPD Brandenburg versteht feministische Gesundheitspolitik daher als Querschnittsaufgabe. Sie ist Bestandteil einer modernen Gleichstellungspolitik und ein notwendiger Schritt hin zu echter gesundheitlicher Chancengleichheit.

Empfehlung der Antragskommission:
zurückgestellt
Version der Antragskommission:

Antragsteller wird gebeten, in Absprache mit GS umzuformulieren

Barrierefreies PDF:

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