26/I/2022 Den Fachunterricht an Brandenburger Schulen stärken

Status:
Annahme

Der Landesvorstand wird dazu aufgefordert, gegenüber den SPD-Mitgliedern in der Landesregierung und der SPD-Landtagsfraktion darauf zu dringen, dass

  • im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) zentral angesiedelte Fachaufsichten eingerichtet werden, die die Sicherung und Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität in den Fächern aktiv steuern,
  • eine Qualität- und Leistungsoffensive in der Grundschule in den sprachlichen und mathematischen Kompetenzen gestartet wird, in der die bisherigen Maßnahmen des MBJS systematisch evaluiert und geeignete (ggf. auch die in anderen Bundesländern erfolgreich erprobte) Maßnahmen verbindlich flächendeckend ausgerollt werden, und
  • die Praxis der Schulvisitation grundlegend reformiert wird, indem diese stärker auf die Einschätzung der Qualität des Fachunterrichts fokussiert und mit den dafür nötigen personellen Ressourcen und Instrumenten ausgestattet wird
Begründung:

Im IQB-Bildungstrend wurde zum dritten Mal länderscharf das Erreichen der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für den Primarbereich in den Fächern Deutsch und Mathematik überprüft und die Ergebnisse im Oktober 2022 veröffentlicht. In keinem Bundesland haben sich die gemessenen Schülerleistungen von 2016 bis 2021 so sehr verschlechtert wie in Brandenburg. Wie in allen Bundesländern zeigt sich auch hier, dass insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien besonders drastische Lernrückstände aufweisen. Auch wenn das Ausmaß des gemessenen Leistungsabfalls teilweise auf den für Brandenburg ungünstigen Testzeitpunkt (während des Wechselunterrichts) zurückgeführt werden kann, ist es dennoch notwendig, mit den Ergebnissen ehrlich und realistisch umzugehen und durch eine umfassende Stärkung des Fachunterrichts noch vor den Landtagswahlen den Wählerinnen und Wählern deutlich zu machen, dass die SPD diesen Rückschlag für chancengerechte Bildung in unserem Land nicht hinnimmt, sondern aktiv gegensteuert. 2022 und 2023 können durch das Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“ erste Maßnahmen ergriffen werden, eine Fortsetzung in 2024 ist aber nicht geplant, die Ausgestaltung des „Startchancenprogramm“ des Bundes, das an seine Stelle treten soll, noch unklar. Klar ist: Brandenburg darf nicht nur auf Hilfen und Programm vom Bund warten, sondern muss selbst aktiv werden, um chancengerechte Bildung im Land zu sichern.

Zur Stärkung des Fachunterrichts an den Brandenburger Schulen bedarf es dreier ineinandergreifender Maßnahmen:

Das MBJS benötigt zentrale (nicht wie bisher an den Schulämtern angegliederte) Fachaufsichten für die Fächer der Brandenburger Schule, damit die fachliche Qualitätssicherung landesweit effektiv gesteuert und implementiert werden kann. Brandenburg geht hier bislang bundesweit einen Sonderweg, dessen Ineffizienz die jüngsten Zahlen ebenso belegen wie die Rückmeldungen von Schulpraktikerinnen und Schulpraktikern, die eine zentrale fachliche Steuerung vermissen.

In den Kernfächern Deutsch und Mathematik müssen existierende Ansätze zur Steigerung der Unterrichtsqualität verpflichtend und flächendeckend an allen Grundschulen ausgerollt werden und durch die zentrale Bereitstellung von Materialien und digitalen Werkzeugen sowie durch entsprechende Fortbildungen unterstützt werden.

Manche Schulen benötigen bei der Prozessbegleitung für ihre Qualitätsentwicklung mehr Unterstützung als andere. Die Schulvisitation ist grundlegend zu reformieren, da sie in ihrer jetzigen Aufstellung nicht in der Lage ist, die Qualität des Fachunterrichts valide zu beurteilen und Empfehlungen zur Qualitätssteigerung auszusprechen. Es bedarf vor allem einer umfassenden Reform der Beobachtungs- und Analysemethodik und einer Verzahnung mit verbesserten Fortbildungsangeboten und Schulberatung.

Das Zusammenspiel dieser drei Maßnahmen: Fachaufsichten im MBJS – verbindliche Fachprogramme – Kontrolle und Beratung bei der Implementierung durch die Schulvisitation würde eine überzeugende und effektive Strategie darstellen, chancengerecht Bildung im Land Brandenburg zu verwirklichen.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme (Konsens)
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