32/I/2026 Einführung des dualen Lehramtsstudiums zur Sicherung der Bildungsqualität und Fachkräftegewinnung

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Status:
Nicht abgestimmt

Die Landtagsfraktion aufzufordern in dieser Legislaturperiode das duale Lehramtsstudium mit in ihre Arbeitsplanung aufzunehmen. Zudem wird die Landespartei beauftragt das Thema in das kommende Wahlprogramm für die nächste Landtagswahl aufzunehmen und anschließend in möglichen Koalitionsverhandlungen zu vertreten. Ziel ist es eine zeitnahe Planung und Umsetzung zu erreichen, um das duale Lehramtsstudium flächendeckend für das Land Brandenburg einzuführen.

Eckpunkte des Modells:

  1. Studierende sind von Beginn an einer Ausbildungsschule zugeordnet und verbringen dort bereits im Bachelorstudium feste Praxistage.
  2. Um die soziale Durchlässigkeit zu erhöhen, erhalten dual Studierende eine monatliche Vergütung durch das Land (orientiert am Modell in Sachsen-Anhalt, ca. 1.400 Euro brutto).
  3. Das klassische Referendariat wird schrittweise in das Masterstudium integriert, um den Übergang in den Beruf fließender und weniger belastend zu gestalten.
  4. Jeder dual Studierende erhält an der Ausbildungsschule pro Fach eine*n qualifizierte*n Mentor*in mit entsprechender Anrechnung auf deren Lehrdeputat.
  5. Die Dual-Studierenden verpflichten sich nach erfolgreichem Abschluss ihrer Lehramtsausbildung eine gewisse Zeitspanne, zum Beispiel 2 Jahre, als Lehrkraft im Land Brandenburg zu arbeiten.
Begründung:

Brandenburg steht vor einer historischen Herausforderung: Trotz zahlreicher Maßnahmen wie dem Brandenburg-Stipendium und der Qualifizierung von Seiteneinsteigenden bleibt der Lehrkräftemangel, insbesondere im ländlichen Raum und in den MINT-Fächern sowie der Primarstufe, alarmierend. Ein duales Studium ist der nächste logische Schritt, um den Lehrerberuf moderner, attraktiver und krisenfester zu machen.

Ein Lehramtsstudium dauert in der Regel fünf Jahre bis zum Master, gefolgt vom Referendariat. In dieser langen Zeit sind Studierende oft auf für den späteren Berufswunsch unpassende Nebenjobs oder staatliche Unterstützung angewiesen. Ein duales Modell ermöglicht es gerade Talenten aus nicht-akademischen Haushalten, sich ohne finanzielle Sorgen für diesen wichtigen Beruf zu entscheiden. Wir machen Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Viele Lehramtsstudierende verlassen die Universität, weil der Bezug zum realen Schulalltag zu spät kommt oder sind durch den Praxisschock im Referendariat vom Beruf abgeschreckt. Durch die duale Struktur wird die pädagogische Eignung frühzeitig im geschützten Rahmen geprüft und gefördert. Das senkt die Abbruchquoten und sichert eine höhere Professionalität.

Eine Reform des Lehramtsstudiums unter diesen Prämissen ist umso dringender, wenn man es mit anderen Berufsgruppen vergleicht, die ebenfalls zentrale Aufgaben für unseren Staat übernehmen. Dazu zählen unter anderem Studiengänge zur Ausbildung von Verwaltungsbeamt*innen, Polizist*innen oder Soldat*innen. Ohne Zweifel leisten all diese Staatsdienenden einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl. Entsprechend werden sie bereits während ihrer Ausbildung angemessen entlohnt und frühzeitig systematisch an ihre praktischen Aufgaben herangeführt.

Auch angehende Lehrer*innen entscheiden sich für eine ebenso verantwortungsvolle und gesellschaftlich unverzichtbare Tätigkeit, insbesondere für das Land Brandenburg. Dennoch werden sie während ihrer Ausbildung weder angemessen finanziell unterstützt noch ausreichend praxisnah ausgebildet. Im Gegenteil: Lehramtsstudierende müssen ihre Qualifikation, um später die staatliche Aufgabe der Bildung wahrnehmen zu dürfen, weitgehend privat finanzieren.

Hierzu zählen verpflichtende Semesterbeiträge von derzeit rund 330 Euro pro Semester, zusätzliche Kosten für notwendige Zertifikate (etwa ein phonetisches Gutachten in Höhe von ca. 150 Euro) sowie die vollständige eigenständige Finanzierung des Lebensunterhalts, und dies bei gleichzeitig fehlender Vergütung und ohne eine systematische Einbindung in den schulischen Berufsalltag.

Dieser strukturelle Missstand stellt eine erhebliche Ungerechtigkeit gegenüber unseren künftigen Lehrkräften dar und verschärft den bestehenden Lehrkräftemangel. Er muss daher dringend beendet werden.

Kritiker mögen behaupten, dass die Wissenschaftlichkeit unter der frühen Praxis leide. Ein duales Studium in Brandenburg würde aber die gleichen ECTS-Punkte und universitären Standards erfüllen wie das klassische Studium. Es soll sich nicht um eine „Lehre light“ handeln, sondern um eine modernisierte Organisationsform. Die KMK-Standards für die Lehrerbildung bleiben die verbindliche Richtschnur. Die wissenschaftliche Reflexion der Praxis wird sogar gestärkt, da Theorie und Anwendung unmittelbar aufeinander folgen.

Es ist außerdem nicht zu befürchten, dass Studierende zwischen Uni und Schule „aufgerieben“ werden, denn der Antrag sieht klare Zeitkontingente vor. Im Bachelor liegt der Fokus auf Hospitation und Kleingruppenarbeit, nicht auf eigenverantwortlichem Unterricht. Die Eigenverantwortlichkeit der schulpraktischen Tätigkeit soll im Verlaufe des Studiums schrittweise zunehmen. Die Arbeitsbelastung wird durch eine Reduzierung der Präsenzzeit an der Uni (durch Anrechnung der Praxisphasen) ausgeglichen. Ein duales Studium ist strukturiert und bietet dadurch oft mehr Halt als ein völlig freies Studium.

Auch für die Kolleg*innen an den Ausbildungsschulen sollen durch die dualen Studierenden keine zusätzlichen Belastungen entstehen, da wir explizit Anrechnungsstunden für Mentoren fordern. Zudem sind dual Studierende ab dem Master eine echte Unterstützung im Schulalltag und können, bei entsprechender Begleitung, zur Entlastung beitragen, statt nur „mitzulaufen“.

Langfristig würde der Lehrkräftemangel dem Land teurer kommen als dieses Modell des dualen Studiums. Jeder Unterrichtsausfall und jede teure Nachqualifizierung von Seiteneinsteigenden, die das System später wieder verlassen, belastet den Haushalt stärker als die Investition in eine eigens ausgebildete Lehrkraft. Wer in Brandenburg studiert und bezahlt wird, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Brandenburg.

Wir wollen keine Notlösungen, sondern eine Ausbildung, die auf der Höhe der Zeit ist. Das duale Studium ist die Antwort auf den Fachkräftemangel, die Theorie-Praxis-Lücke und die soziale Frage im Bildungswesen.

Am Beispiel der b-tu Cottbus-Senftenberg sehen wir das ein duales Studium möglich und erfolgreich ist. Hier soll und muss aber eine Ausweitung auf alle lehramtsbezogenen Studiengänge erfolgen und wie in den Eckpunkten beschrieben eine Vergütung erfolgen. Ein rein nur auf Cottbus-Senftenberg bezogenes Lehramtsstudium für die Primarstufe ist zu wenig, um die großen Fachkräfteprobleme in allen Schulformen zu mildern.

Empfehlung der Antragskommission:
Überweisen an: Landesvorstand, Landtagsfraktion (Konsens)
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