43/I/2026 Teilzeit ist Ausdruck sozialer Gerechtigkeit - Gleichstellung und Erwerbsarbeit stärken

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Status:
Nicht abgestimmt

Die SPD Brandenburg bekennt sich ausdrücklich zur Teilzeitbeschäftigung als gleichwertige und legitime Form der Erwerbsarbeit.

Teilzeit ist Bestandteil moderner Arbeits- und Lebensrealitäten. Sie ist ein wichtiger Bestandteil einer wirksamen Gleichstellungspolitik. Sie ermöglicht die Vereinbarkeit von Familie, Pflege, gesellschaftlichem Engagement und Beruf.

Gleichzeitig stellt der Landesparteitag fest: Ein erheblicher Teil der Teilzeitbeschäftigung erfolgt nicht nur aus freier Entscheidung, sondern aufgrund struktureller Rahmenbedingungen. Viele Beschäftigte arbeiten in Teilzeit, weil:

  • Kinderbetreuungsangebote nicht ausreichen oder zeitlich nicht passen,
  • Ganztags- und Randzeitenbetreuung nach wie vor fehlen,
  • Pflegeverantwortung für Angehörige übernommen wird,
  • betriebliche Arbeitszeitmodelle nicht so flexibel sind, wie vielfach dargestellt.

Wer politisch eine Reduzierung von Teilzeit oder eine Ausweitung von Vollzeiterwerbstätigkeit fordert, muss zunächst die gesellschaftlichen, sozialen und infrastrukturellen Voraussetzungen für echte Wahlfreiheit schaffen.

Die SPD Brandenburg fordert daher vom Bund:

  1. Den flächendeckenden und verlässlich finanzierten Ausbau der Kinderbetreuung einschließlich Randzeiten- und Ferienbetreuung.
  2. Eine nachhaltige (dauerhafte) Finanzierung des Ganztagsanspruchs sowie eine Fachkräftestrategie im Erziehungsbereich.
  3. Verbesserte Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige, einschließlich flexibler Arbeitszeitmodelle und sozialer Absicherung.
  4. Die Stärkung des Rechts auf Rückkehr aus befristeter Teilzeit sowie bessere Durchsetzungsmöglichkeiten bei Arbeitszeitaufstockung.
  5. Die Überprüfung steuer- und sozialrechtlicher Regelungen, die eigenständige Erwerbsbiografien schwächen oder Teilzeit strukturell verfestigen. Teilzeit darf weder stigmatisiert noch strukturell erzwungen werden. Das Ziel sozialdemokratischer Politik ist eine echte Wahlfreiheit.

 

Begründung:

Teilzeitbeschäftigung ist für viele Menschen Ausdruck verantwortlicher Lebensgestaltung und kein Lifestyle-Produkt. Gleichzeitig ist sie häufig Folge unzureichender öffentlicher Infrastruktur.

Insbesondere Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeit – nicht aus freier Wahl, sondern weil insbesondere Familiensorgearbeit weiterhin ungleich verteilt ist und staatliche Daseinsfürsorge bzw. Unterstützung nicht ausreicht.

Eine pauschale Kritik an hohen Teilzeitquoten greift zu kurz. Wer höhere Erwerbsumfänge anstrebt, muss zuerst:

  • Betreuung vernünftig sichern,
  • Pflege absichern,
  • Arbeitszeitrechte stärken,
  • Gleichstellung voranbringen.

Sozialdemokratische Arbeitsmarktpolitik verbindet wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit sozialer Realität. Echte Wahlfreiheit kann nur dort entstehen, wo auch die notwendigen strukturellen Voraussetzungen existieren.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme (Konsens)
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